Salz der Erde(CB/Valdorf) Ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden seid das Salz der Erde, ihr seid das Salz in der Suppe dieser Welt! Was wir damit meinen, haben wir den Konfirmandinnen und Konfirmanden bei der Konfirmation in Valdorf (6. April 2008) und in Wehrendorf (13. April 2008) in der Predigt gesagt.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden - Liebe Gemeinde,

Wir haben bei dem Lied gerade ein paar Brotstückchen herum gegeben - passend zum Anlass des Tages. Wenn heute in den Familien die Konfirmation gefeiert wird, dann ist das ja auch ein großer Festtag! Die Familie wird eingeladen und dann kommt auch was ordentliches auf den Tisch. Es gibt festliches Essen - und sie haben in den Reihen nun einen kleinen Vorgeschmack auf das, was ab heute auf sie zukommt.

Und so möchten wir mit ihnen zu Beginn der Predigt etwas essen und uns stärken.
Greifen sie zu und genießen sie alle das leckere Brot!

Na, schmeckt es?
Gibt es Reaktionen?
Bei den Konfis?
Was ist los mit dem Brot?
Irgend etwas stimmt nicht mit dem Brot - aber was?
Ja, es schmeckt irgendwie komisch.

Bei dem Brot fehlt eigentlich nur eine Kleinigkeit - so klein, dass man sie schnell übersieht. Und wenn das Brot fertig gebacken ist, dann sieht man sie in gar keinem Fall mehr: Diese Kleinigkeit ist: Salz!

Ohne Salz schmeckt dieses Brot fade. Es schmeckt langweilig. Es fehlt ihm das gewisse Etwas. Es hat keinen richtigen Geschmack.

Ich erinnere mich daran, dass ich als Jugendlicher in eine Bäckerei kam, in der die Regale waren halb leer waren und in der Backstube wurde noch hektisch gearbeitet: Jemand hatte morgens vergessen, den Brotteig zu salzen - und deshalb gab es kein Brot - jedenfalls keines, dass man verkaufen konnte. „Es tut uns leid - der Stift hat das Salz vergessen!" - also: Der Lehrling, der Kleinste im Betrieb musste dann auch noch den Kopf dafür her halten, das da morgens etwas schief gegangen ist.

Dieses Versehen in der Bäckerei und die Geschmacksprobe machen deutlich, wie wichtig Salz ist. Ohne Salz haben Lebensmittel für die meisten von uns nur einen faden Geschmack. Wir brauchen Salz, damit wir Brot überhaupt essen können.

So war es auch schon zur Zeit Jesu. Ohne Salz schmeckt es einfach nicht - ohne Salz fehlt etwas. Für Jesus war das ein Bild, als er zu Menschen gesprochen hat, die von sich gedacht haben: Ich bin zu klein. Ich kann das nicht. Ach, ich bin doch nicht so wichtig. Zu diesen Menschen hat Jesus gesagt: Ihr seid das Salz der Erde (Matthäus - Evangelium 5/13). Ihr seid das Salz in der Suppe - ihr gebt der Welt erst den richtigen Geschmack!

Und da werden die Leute genau so ungläubig geschaut haben wie die Konfirmandinnen und Konfirmanden hier vorn. Denn - wenn Jesus Recht hatte, dann hat er doch gesagt: Ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden - ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid nicht der Stift, der alles falsch macht und auf den man alles abwälzt und auf dem jeder herum hacken darf - ihr seid die, auf die es wirklich ankommt!

Ihr seid das Salz der Erde! Ihr denkt vielleicht, ihr seid unscheinbar und klein - aber für Jesus ist das anders! Mit diesem Wort macht Jesus das Kleine ganz groß! Auch wenn ihr wenige seid oder wenn ihr meint: Ich kann ja doch nichts verändern, dann sagt Jesus: Von euch kann eine gute Wirkung ausgehen. Eine Welt, in die ihr euren Glauben einbringt, die sieht anders aus. Wenn ihr an mich glaubt - wenn ihr Gott vertraut - dann steckt in euch eine Kraft, auf die es wirklich ankommt in dieser Welt.

Um diese Kraft ist es uns in den vergangenen Jahren im Konfirmandenunterricht gegangen. Wir haben versucht, euch auf den Geschmack zu bringen. Wir haben euch etwas von dem Glauben an Gott und Jesus Christus vorgestellt und haben mit euch darüber nachgedacht, was dieser Glaube für euch bedeuten kann. Ihr habt einen Vorgeschmack davon bekommen, was es bedeutet, als Christin oder als Christ zu leben.

Ihr erinnert euch:

  • Wir sind mit euch mit dem Rad losgefahren und sind durch tiefe Täler gekommen, haben eure Seelen am Weserufer erquickt. Ihr habt im Angesicht eurer Feinde unter der lauten Autobahnbrücke gegessen. Einen Nachmittag lang habt ihr einen Vorgeschmack bekommen, was es bedeutet unterwegs zu sein - im Leben unterwegs zu sein - mit dem Versprechen, dass ihr dabei von Gott begleitet seid, der wie ein Hirte auf uns achtet.
  • Wir haben mit euch ein Wochenende in Brakel verbracht und das Thema Abendmahl behandelt - und versucht, euch einen Vorgeschmack auf die Gemeinschaft zu geben, die es unter uns Christinnen und Christen geben kann. Nur ein Wochenende lang - aber trotzdem ein Vorgeschmack: So kann es sein, wenn Gott uns zusammen bringt. 
  • Wir haben einen Vormittag lang Gebetsstationen gebaut - und ein ganzes Gemeindehaus auf den Kopf gestellt. Wir haben Gebetsscheiben gebaut und mit euch überlegt, was man beim Beten sagen kann. Ihr habt einen kleinen Vorgeschmack auf die Möglichkeit bekommen, wie das ist, wenn man Gott vertraut und ihm wirklich alles anvertrauen kann.

Und da gab es ja noch viel mehr. Ihr konntet erleben: So kann das sein, wenn Gott für mich das Salz in der Suppe ist. Wenn er meinem Leben einen guten Geschmack gibt und wenn ich ihm vertraue. Da könnt ihr etwas für euch gewinnen.

„Ihr seid das Salz der Erde!" Wenn Gott euch Kraft schenkt, dann habt ihr etwas, was von euch an andere weitergegeben wird. Jesus traut euch zu, dass ihr Salz dieser Erde seid - dass ihr eine Kraft seid, die der Erde und den Menschen hier gut tut. Auch dazu ein paar Beispiele:

  • Ihr kennt das sicher aus der Schule, dass es unter euch Mädchen oder Jungen gibt, die von den anderen runter gemacht werden und auf denen alle herum hacken. Wir gut ist es da, wenn jemand da nicht mit macht. Oder einfach zeigt, dass er dem nicht zustimmt. Wir wünschen euch, dass ihr da den Mut findet, Salz der Erde zu sein (eine Prise in den Topf).
  • Und ihr kennt das auch, wenn es Streit gibt. Wenn die Worte nur so fetzen und kein gutes Haar am anderen bleibt. Und danach Stille. Funkpause. Was sollen wir uns schon noch sagen. Wie gut ist es da, wenn jemand mit beiden spricht. Und mit überlegt, wie es weiter gehen. Wir wünschen euch, dass ihr den Mut findet, für solche Menschen Salz der Erde zu sein (eine Prise in den Topf).
  • Es gibt Menschen, die herunter gezogen werden von schlechten Nachrichten. Die Angst haben oder die den ganzen Tag traurig sein können. Wie gut tut es denen, wenn jemand einfach zuhört und sie tröstet. Wir wünschen euch, dass ihr auch da den Mut findet, Salz der Erde zu sein (eine Prise in den Topf).
  • Ihr werdet in den nächsten Jahren vor viele Entscheidungen gestellt: Weiter Schule oder lieber Lehre? Und welchen Beruf? Welchem Jungen kann ich vertrauen und in welches Mädchen verlieben? Wer sagt mir da, was richtig ist? Wir wünschen euch, dass ihr da nicht nur einfach mit lauft, sondern dass ihr die Kraft habt, selbst gut zu entscheiden. Auch dann seid ihr „Salz der Erde". (eine Prise in den Topf).
  • Bei der Arbeit oder wenn wir an einem großen Tisch zusammen sitzen, dann hören wir manchmal, wie über Gott und Glauben geredet wird. Da wird die Kraft, die Gott uns schenkt, klein geredet. Da ist es manchmal schon mutig, einfach still zu bleiben und nicht mit zu rufen - und noch mutiger ist es, einfach zu sagen: Das stimmt doch gar nicht, was ihr hier redet. Es ist gut, wenn ihr Salz der Erde seid! (eine Prise in den Topf). 
  • Es gibt eine Reihe von Jugendlichen, die in der Gemeinde mitmachen. Als Mitarbeiter im KU oder im Posaunenchor, beim Teen - Treff oder im Kindergottesdienst. Da gibt es schon mal die Frage: Kriegt ihr da denn wenigstens Geld für? Nöö - wegen dem Geld nicht - wir finden es wichtig - und Spass macht es auch noch. Manchmal macht es eben auch noch Spass, Salz der Erde zu sein! (eine Prise in den Topf).

Ihr seid das Salz der Erde. Da setzt Jesus Vertrauen in uns - und in unseren Glauben.

Aber das ist noch nicht alles. Es gab immer schon Menschen, die gesagt haben: So richtig kräftig sind die Christinnen und Christen nicht, mit denen wir es hier zu tun haben. Die haben vielleicht mal ganz mutig angefangen und dann ist ihnen die Puste ausgegangen. Und dann haben sie selbst Jesus diese Frage gestellt: Wenn das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Was passiert, wenn das Salz dann doch mal seine Kraft verliert?

Und gemeint ist damit ja: Wie geht es weiter, wenn ich merke: Mein Glaube läßt nach. Ich habe Fragen an meinen Glauben, auf die ich keine richtige Antwort finde. Oder wenn ich merke: Ich fühle mich unsicher?

Denn: Das gibt es bei jedem Menschen. Wir alle haben auch Fragen an den Glauben und manchmal ist es so, dass wir uns Gottes Nähe so sehr wünschen und meinen: Wo ist er denn? Warum begeistert er mich jetzt nicht? Da fehlt dem Salz dann die Kraft - und was kann ich dann tun?

Unsere Antwort ist folgende: Wir vertrauen darauf, dass Gott uns immer wieder neue Kraft schenkt. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass es immer auch wichtig ist, nicht alleine zu bleiben. Es tut gut, wenn man gemeinsam mit anderen durchs Leben geht - und es tut gut, wenn man im Glauben auch Menschen dabei hat, die einen stärken und stützen. Bei manchen sind das vielleicht die Eltern - oder jemand anders aus der Familie. Oder ein guter Freund - oder jemand aus der Gemeinde, zu dem ihr eine Verbindung habt.

Und es gibt einen Ort, an dem diese Verbindung immer wieder deutlich werden kann und an dem wir unseren Glauben wieder aufladen und stärken können: Und das ist hier in der Kirche - wenn wir gemeinsam Gottesdienst feiern und in der Gemeinde, wenn wir uns hier treffen.

Damit euch das deutlich wird und ihr es nicht vergesst, haben wir etwas für euch vorbereitet: Ihr bekommt heute alle SO (zeigen) einen Salzstreuer mit und darin ist ein Text, der euch an diesen Tag erinnert. Wenn ihr ihn benutzt - dann wird er nach und nach leer - bis er irgendwann nicht mehr salzt. Und wie lange hält das Salz in einem Salzstreuer? Ein paar Monate - ein Jahr? Oder länger? Probiert es einfach aus.

Und wenn das Salz bei euch zu Ende geht, dann bringt ihr den Salzstreuer einfach hier in die Kirche - und nach dem Gottesdienst füllen wir ihn euch wieder auf. Ehrlich - Versprochen. Und zur Not stellen wir uns für die nächsten Jahre eine ganze Palette mit Salz in die Sakristei, damit es reicht!

So wird deutlich: Gott schenkt uns immer wieder neu Kraft - und er will uns dabei unterstützen, damit wir lebendig und bunt und kräftig bleiben. Wir hoffen, dass ihr beim Glauben und bei Gott auf den Geschmack gekommen seid - und wir wünschen euch, dass er euch in den kommenden Jahren begleitet und dass er euch stärkt. AMEN.


Diese Predigt haben erarbeitet: Christoph Beyer (Pfarrer), Jürgen, Sarah und Rebecca Brakhage, Gudrun Hachmeister, Julian Rolfes und Uli Tasche (Mitarbeitende in der Konfirmandenarbeit)