Ostern 2008: Nach einem Wintereinbruch war alles weiß eingeschneit ... wie an Weihnachten!(CB/Valdorf) Endlich weiße Weihnachten!

Wie schön war das am vergangenen Samstag, als unsere Kinder begeistert aus dem Fenster geschaut haben - den Schnee gesehen haben und nur noch nach draußen wollten! Hurra - es hat geschneit - Hurra, es ist Weihnachten, das war mein Gedanke - endlich ist das Wetter so, dass wir das wichtigste Fest der Christenheit zünftig feiern können.

Durch den tiefen Schnee zur Kirche stapfen - sich auf die Geschenke freuen - und dann bei Kerzenschein die langen Abende genießen. Die Weihnachtsgeschichte hören - O du fröhliche singen. Da passt doch heute alles!

Oder? Die ersten Kinder lachen schon? Ist da was durcheinander geraten?
Weihnachten und Ostern - zwei Kirchenfeste - wo ist denn da schon der Unterschied? Und: Ist eins von den beiden Festen ist wichtiger? Weihnachten - oder Ostern?

  • Weihnachten gibt’s Geschenke - das spricht für Weihnachten.
  • Weihnachten platzt diese Kirche aus allen Nährten - das spricht auch für Weihnachten.
  • Weihnachten geht es um Jesus Christus - um seinen Geburtstag - Geburtstag feiern - noch ein Punkt für Weihnachten!
  • Und: An Weihnachten ist Gott zu uns Menschen gekommen und wir werden daran erinnert, dass wir Christinnen und Christen fröhlich miteinander leben können. Dieser Jesus von Nahareth hat uns gezeigt, wie wir leben können. All dass können wir Weihnachten feiern!

So gesehen spricht eigentlich alles für Weihnachten - und irgendwie ist für die meisten von uns Weihnachten auch wirklich das wichtigste Fest der Christenheit.

Im Predigttext für dieses Osterfest gibt Paulus seine Antwort auf die Frage, was denn bei unserem Glauben so wichtig ist, dass wir es mit einem besonderen Fest feiern sollten. Und was das wirklich wichtige Fest sein soll: Er sagt zu Beginn:

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus,
so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

das klingt etwas enttäuschend - aber Paulus ist da ganz klar: Wenn wir denken, Christus wäre nur dafür da, damit wir ein gutes Leben führen können - dann sind wir die elendsten unter allen Menschen:

  • Wenn die Frauen und Männer in Korinth also meinen, bei Jesus Christus geht es vor allem um Fragen des Alltags - um die Frage, wie sie richtig feiern können - oder wie sie ihr Leben regeln - dann haben sie noch nichts verstanden.
  • Wenn sie meinen, es geht bei Jesus Christus nur darum, dass man ein netter Mensch ist, dass man zu den anderen freundlich ist, seine Nachbarn lieb grüßt und sie nicht betrügt oder niedermacht - oder am Karfreitag keine Wäsche auf die Leine hängt - dann haben sie noch gar nichts verstanden!
  • Wenn sie meinen, Christus hat unsere Nähe gesucht, damit sie immer wieder gut drauf sind, damit sie für ihren Alltag gute Stimmung haben - dann haben sie noch gar nichts verstanden!

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Liebe Gemeinde - wenn ich diese Worte von Paulus ernst nehme und zu Ende denke, dann höre ich: Ein gutes Leben kann man auch ohne den Glauben an Jesus Christus führen - natürlich ist Christus da eine Hilfe - aber wenn wir nur an ihn glauben, um in unserem Alltag besser zurecht zu kommen - dann ist das für Paulus einfach zu wenig.

Aber wofür brauchen wir Christus dann? Paulus schreibt:

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Für Paulus ist klar: Christus ist von den Toten auferstanden. Das ist für ihn das Besondere - das Unverwechselbare und das Entscheidende an unserem Glauben. Gott hat dem Tod eine Grenze gesetzt - er hat uns neues Leben geschenkt! Und wenn wir Christinnen und Christen einen Grund haben, um zu feiern - um fröhlich zu singen - oder ein großes Fest zu feiern - dann ist das die Osterbotschaft.

Der Rest ist für Paulus Zugabe. Der Rest ist für Paulus nett und gut - aber wirklich nicht das Entscheidende.

Wirklich begeistern kann ihn, dass Christus von den Toten auferstanden ist. Das wäre für ihn das entscheidende Fest. Müsste sich Paulus zwischen Weihnachten und Ostern entscheiden -  er hätte Ostern groß und laut und fröhlich gefeiert - und Weihnachten links liegen lassen.

Aber - was würde Paulus an Ostern genau feiern?
Paulus beschreibt das so:

Durch einen Menschen ist der Tod gekommen, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden

Ein jeder aber in seiner Ordnung:

als Erstling Christus;
danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;
danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er
alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.

Denn er muss herrschen, bis Gott ihm „alle Feinde unter seine Füße legt" (Psalm 110/1).

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
Denn „alles hat er unter seine Füße getan" (Psalm 8/7).

Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.

Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

Liebe Gemeinde -

Was ist da eigentlich genau passiert, wie ist es zu unserer Hoffnung auf ein Ende des Todes und auf neues Leben gekommen? Paulus geht in den Versen mal eben die ganze Weltgeschichte durch - bis zu dem Tag, an dem Christus sein Reich an Gott übergeben wird - und sein reich ist die ganze Welt. Nicht mehr und nicht weniger.

Und daneben sitzen dann wir kleinen Valdorfer Christinnen und Christen. Bei den Worten von Paulus - wenn ich sie einen Moment sacken lasse - komme ich mir ganz klein vor -  und denke: Wo komme ich da eigentlich noch vor - wo bin ich da eigentlich noch wichtig?

Hier wird mal eben über die ganze Welt verhandelt - werden Reihenfolgen der Auferstehung genannt - wo bleibe ich da? Mir ist es eigentlich egal, wie die Auferstehung abläuft - in welcher Reihenfolge das passiert und wer da wem welche Welt übergibt - ich möchte selbst auferstehen. Ich möchte nach meinem Tod bei Gott sein! Das ist mir wichtig!

Ob die ganze Welt gerettet wird -  da kann ich doch kaum was zu sagen. Verglichen mit der ganzen Welt komme ich mir klein vor - und die meisten von uns wahrscheinlich auch. Bei so großen Sachen klinke ich mich meistens aus.

In den Gedanken von Paulus gibt es eine Stelle, an der kleine Menschen wie wir vorkommen. Jedenfalls verstehe ich diesen Abschnitt genau so.

Paulus erinnert an Adam - an den ersten Menschen. Er stand am Anfang der vielen Menschen gemeinsam mit seiner Frau Eva. Die ganze Welt beginnt mit zwei Menschen - mit zwei einfachen Menschen. Ganz klein fängt Gott an und macht gleich die Erfahrung: Die Menschen kommen mit der Freiheit, die ich ihnen schenke, nicht zurecht. Adam und Eva scheitern und müssen das Paradies verlassen.

Adam und Eva zeigen eine Möglichkeit, wie wir Menschen leben können - und wie es das auch immer wieder gibt: Wir scheitern. Wir kriegen es nicht hin. Manchmal scheitern wir an uns selbst - aber oft genug werden uns die Grenzen auch vorgegeben.

  • Wir müssen arbeiten wie Adam - manchmal bis zum Umfallen.
  • Wir werden krank wie Adam - und manchmal kann uns das ganz traurig und mutlos machen.
  • Und wir sterben - wie Adam.

Und daran erinnert Paulus: Wir Menschen können in unserem Leben scheitern - das Leben kann uns schwer werden - vielleicht auch zu schwer. Und da ist es egal, ob wir klein sind oder groß - wir werden davon getroffen - und wir müssen dann in unserem Alltag damit zurecht kommen. Das hat Paulus vor Augen - dafür steht bei ihm Adam.

Die andere Möglichkeit ist Christus - auch ein Mensch - aber ein Besonderer! Paulus sagt: Was ein Mensch verderben kann - das kann nur ein anderer wieder in Ordnung bringen.

Das haben sie sicher alle schon oft erlebt:

  • Sie bauen etwas auseinander und bekommen es selbst nicht mehr zusammen. Das Mofa auseinandernehmen ging ja noch leicht - aber ich weiss nicht, wie ich es wieder zusammen bekommen soll. Dafür brauche ich Hilfe.
  • Dem Nachbarn mal so richtig die Meinung sagen - das ging leicht. Und jetzt bräuchte ich jemanden, der hilft, damit wir wieder miteinander reden können.

Wenn es ganz verfahren ist und ich alleine nicht weiter komme - dann kann eine Hilfe, die dazu kommt einen ganz neuen Weg zeigen.

Und so sieht das auch Paulus mit Adam und Christus, bei ihm sind das zwei Möglichkeiten, das Leben anzugehen - zwei Möglichkeiten, zu leben: Wir können uns klein machen, uns niederdrücken lassen.

Oder: Wir lassen Christus dazu kommen  - und bekommen von Gott die andere Möglichkeit gezeigt und vertrauen darauf, dass er dem Tod eine Grenze gesetzt hat und uns einen neuen Weg zeigt.

Diesen Weg können wir selbst oft nur mit Bildern ausdrücken. Können uns auch nur ein Stück weit vor tasten und bekommen nur einen kleinen Vorgeschmack.

Gott setzt dem Tod eine Grenze. Und Gott schenkt uns auch hinter dieser Grenze Leben. Das hat Gott uns zu Ostern geschenkt - und dieses Geschenk feiern wir heute. Und da ist es egal, ob es schneit oder friert, ob die Blumen schon blühen und ob es auch unter uns Geschenke gibt.

Das größte Geschenk hat Christus uns schon gemacht - er hat uns neues Leben geschenkt. Und das können wir heute feiern!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN. (Phil 4/7)

(Predigt am 23.3.2008 in Valdorf und am 24.03.2008 in Exter, Pfarrer Christoph Beyer)