Die Valdorfer Kirche im Jahr 1926 (Foto: Archiv Geschichtswerkstatt Exter).Im Jahr 2008 wurde das 750-jährige Jubiläum der Valdorfer Kirche gefeiert: Am 16. März 1258 wurde sie vom damaligen Besitzer verschenkt.

Glücklicherweise wurde diese Schenkung in einer Urkunde festgehalten: Graf Heinrich von Oldenburg verschenkt „die Kirche in Valdorf mit allem, was zu ihr gehört“. Die Urkunde belegt sicher, dass im Jahre 1258 in Valdorf bereits eine Kirche stand.

Die romanische Kirche (vor 1258)

Über die erste romanische Kirche in Valdorf gibt es keine schriftlichen Unterlagen. Wir wissen nicht wann sie gebaut wurde, haben keine Kenntnis von ihrer Größe und kennen ihren Bauherren nicht. Lediglich Mauerreste zeugen noch von ihrer Existenz.

Abgesehen von der sakralen Aufgabe hatte sie zusätzlich die Funktion einer Wehrkirche. Mit ihren dicken Wänden und kleinen, hochgelegenen Fenstern bot sie den Menschen der umliegenden Höfe Schutz. Hierher zogen sie sich bei Gefahr mit ihren Habseligkeiten zurück und verriegelten die massigen Türen mit Querbalken, deren Führungslöcher noch heute an der Wand als Markierungen zu sehen sind. In der Nordmauer des Kirchenschiffs findet sich eine romanische Rundbogentür.

Die frühgotische Kirche um 1250-1270

Bis 1270 wurde die Kirche im frühgotischen Stil umgebaut und erweitert. Von diesem Bauwerk ist der nördliche Seitenflügel (von den Valdorfern „Backofen“ genannt) erhalten, in gleicher Größe gab es im heutigen Altarbereich einen Altarraum. Im „Backofen“ ist heute noch das Kreuzrippengewölbe mit einem Schlussstein erhalten.

Die spätgotische Kirche um 1500

Valdorf1500Vor dem Jahr 1500 setzte in Ostwestfalen eine Bauwelle im Sakralbau ein, die erst durch die Reformation abgebrochen wurde. Mehrere Kirchen wurden umgebaut und vergrößert, unter anderem in Bünde, Bielefeld, Lübbecke und Rödinghausen.

Auch in Valdorf kam es zu einem Umbau: Auf der Südseite wurde die Kirche einige Meter verbreitert, auf der Nordseite blieben Teile der romanischen und frühgotischen Kirche erhalten. Neben dem Nordquerhaus blieb der Chorraum erhalten. So zeigte sich innen eine klare räumliche Abgrenzung zwischen Chor und Kirchenschiff. An der Lage der Strebepfeiler ist erkennbar, dass es sich um eine einschiffige, dreijochige Kirche mit abgesetztem Chorbereich handelte. Der Neubau wurde etwa drei Meter höher als sein Vorgänger ausgeführt. Typisch für die Region ist das Maßwerk der dreibahnigen Fenster. Bei diesem Umbau kamen im Jahr 1514 zwei Glocken in die Kirche, von denen eine die Jahrhunderte überstanden hat.

1652: Wiederaufbau nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche im Jahr 1638 während der „Schlacht von Valdorf“ schwer beschädigt. Das spätgotische Gewölbe des Kirchenschiffes stürzte zumindest teilweise ein. Beim Wiederaufbau verzichtete man auf den Wiederaufbau der Deckengewölbe und baute die flache Balkendecke ein, die noch heute zu sehen ist.

Der Umbau in den Jahren 1835-1845

Nach dem Wiederaufbau 1652 hatte die Gemeinde lange keinen Anlass - und wohl auch nicht die Mittel - die Kirche zu verändern. Der Gemeinde fiel es schwer, die Kirche über die Jahre zu unterhalten. Im August 1835 fand eine Besichtigung durch Beamte der Regierung zu Minden statt. In Valdorf stellte man dabei folgendes fest: „Die Kirche ist zwar öffentlich im baulichen Zustande. Im Innern ist dieselbe in Bezug auf Reinlichkeit arg vernachlässigt. Auch sind sämtliche Bänke baufällig. Der Fußboden ist schlecht.“ Nach diesem Ortstermin war allen Beteiligten klar, dass in Valdorf etwas geschehen muss. So kam es in den folgenden 10 Jahren zu umfangreichen Erneuerungs- und Umbauarbeiten, die der Kirche ihr heutiges äußeres Aussehen gaben.

Unmittelbar nach der Besichtigung wurden Sofortmassnahmen eingeleitet: So gab es ein großes Reinemachen in der Kirche. Das Presbyterium beschloss folgende Reparaturen: Das Dach des Turmes wurde mit Schindeln neu gedeckt. Das Dach der Kirche wurde ausgebessert, da es überall durchregnete. Allein der Pfarrer stände wenigstens während der Predigt unter dem Schalldeckel im Trocknen.

Das Innere der Valdorfer Kirche kurz vor dem Umbau im Jahre 1959.Da die Zahl der Sitzplätze nicht ausreichte, sollte durch zusätzliche Emporen und einen neuen Seitenflügel Abhilfe geschaffen werden. Mit diesen Arbeiten wurde 1839 begonnen. Zimmermeister Schröder (Valdorf Nr. 86) wurde mit dem Innenausbau beauftragt. Da die Gemeinde die Kosten immer noch nicht aufbringen konnte, baute Schröder den Bau auf eigene Rechnung und verkaufte die neu gewonnenen Sitzplätze.

Über der neuen Eingangstür am „Neuen Flügel“ wurde die Jahreszahl 1839 angebracht, dazu die Aufschrift: „Gott ist gegenwärtig“. Das Gottvertrauen hatte die Gemeinde auch nötig: Sie hatte nur eine Zwischenlösung erreicht: Erst 1845 wurde neue Orgel eingebaut.

Die Entwicklung bis 1961

In den folgenden Jahren finden sich vor allem Nachrichten über Turmreparaturen in den Unterlagen. Da der Turm Regen und Wind besonders stark ausgesetzt war, musste er schon 1872 und 1890 wieder ausgebessert werden. Zuletzt wurde der Turm mit Schiefer neu gedeckt.

In den 50er Jahren erlebte die Valdorfer Kirchengemeinde einen Bauboom: In Valdorf wurde das Gemeindehaus erweitert (1953). Im ersten Pfarrbezirk Wehrendorf wurde der Gemeindesaal in einen Gottesdienstraum umgebaut. Auf dem Bonneberg entstanden eine eigene Kirche (1955-57) und ein Pfarrhaus (1959/60). Es gab nun drei Orte, an denen Gottesdienste gefeiert werden konnten. Den Abschluss dieser Bauphase bildete die Valdorfer Kirche.

In den Jahren 1959/60 wurde die Kirche entkernt und die Emporen, die altre Orgel und alle historischen Einbauten entfernt – nur der Taufengel überstand diesen Umbruch. Viele Gemeindeglieder trauern noch heute der alten Kirche und ihrem urigen Inneren nach. Diese Kirche hatte für viele Menschen einfach etwas Vertrautes und „Heimeliges“ - und das war verloren gegangen.

Die Renovierung in den Jahren 2006 und 2007

Im Jahr 2004 begann das Presbyterium der Kirchengemeinde erneut über eine Umgestaltung der Kirche nachzudenken: Die Wände der Kirche waren durch den Russ der Kerzen und der elektrischen Bankheizung stark nachgedunkelt. Die Technik der Kirche war reparaturanfällig geworden und der Kirchenraum machte insgesamt einen drückenden Eindruck.

Das Presbyterium legte für eine Umgestaltung der Kirche folgende Ziele fest: der Kirchenraum soll hell, freundlich und einladend wirken. Der Raum soll für verschiedene Gottesdienstformen geeignet sein und auf die Bedürfnisse von älteren Gottesdienstbesuchern angepasst werden. Die laufenden Energiekosten sollten gesenkt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro architektur-werk-stadt Balhorn Wewer Karhoff aus Paderborn wurde ein Umbaukonzept entwickelt und der Gemeinde vorgestellt: Diese Planung verzichtete bewußt auf alle Stufen - Pfarrer und Gemeinde begegnen sich auf einer Höhe. Im Altarraum war eine Wandscheibe vorgesehen, die den Raum optisch abschliessen sollte. Im Eingangsbereich wurde eine Teeküche und eine altengerechte Toilette eingeplant. Sämtliche Einbauten sollten reversibel sein, um späteren Generationen die Möglichkeit zu geben, ohne großen Aufwand andere Wege zu gehen.

Im Sommer 2006 wurde der Dachboden in Eigenleistung aufgeräumt, ausgebessert und mit einer zeitgemäßen Isolierung versehen. Rund um die Kirche wurden in Eigenleistung neue Abwasserleitungen verlegt. Zugleich erhielt die Kirchengemeinde eine große Spende für die künstlerische Gestaltung der Kirche. So konnte der Heilbronner Künstler Raphael Seitz seinen Entwurf eines Glasfensters und der farbigen Gestaltung der Altarwand einbringen.

Nach der Konfirmation im April 2007 wurde der Innenraum der Kirche umgestaltet - dafür war wieder viel Eigeninitiative der Gemeinde erforderlich: Die Spendenaktion „1111“ und die vielen freiwilligen Arbeitsstunden machten den Umbau erst möglich. So konnte am 11. November 2007 der erste Gottesdienst in der „neuen alten“ Kirche gefeiert werden. Am ersten Advent 2007 wurde die Kirche in einem Festgottesdienst offiziell wieder in Gebrauch genommen.

Literatur: Zum 750-jährigen Jubiläum erschien bei der Geschichtswerkstatt Exter das heft "750 Jahre Kirche in Valdorf" mit ausführlichen Informationen zur Baugeschichte. Es kann direkt bei der Geschichtswerkstatt Exter bestellt werden.