Der segnende Valdorfer ChristusEin Rundgang durch die Valdorfer Kirche nach der Umgestaltung im Jahr 2007:

Die neue Kirche ist so gestaltet, dass sich der Raum und seine Botschaft Schritt für Schritt den Besuchern beim Eintreten durch den Haupteingang Schritt für Schritt vorstellt.

 

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Die "Strahlenmadonna" mit dem Kind auf dem Arm, rechts die Heiligen drei Könige.

Im Eingangsbereich sehen Sie zunächst links das Weihnachtsfenster: Am Anfang der Begegnung mit Gott steht das Kind auf dem Arm der Mutter - mit Weihnachten beginnt die Botschaft von Jesus Christus.

Der Valdorfer Christus schwebt vor der farbigen Halbschale.

Wenn Sie durch die Glastür in den Raum treten, blicken Sie auf die Christusfigur im Altarraum. Wenn wir uns auf den Weg machen, dann ist er das Ziel: Der Auferstandene, von dem Segen für uns Menschen ausgeht. Auf dem Weg nach vorn erleben wir einen hellen und freundlichen Raum.

Der Innenraum der Valdorfer Kirche nach der Neugestaltung im Jahr 2007.Links neben der Altarwand steht über der Kanzel den siebenarmigen Leuchter, auf der rechten Seite der geliebte Taufengel. Wenn sie diesen Eindruck einen Moment auf sich wirken lassen, fallen die modernen und leichten Farben auf. Rechts findet sich ein Fenster, durch dass die Sonne am Morgen einen Regenbogen in die Kirche wirft.

Den Mittelpunkt der Kirche bildet die Christusfigur vor der farbigen Rückwand. Die Figur stammt wurde Anfang der 60er Jahre von der Gohfelder Künstlerin Resl Schröder - Lechner gestaltet. Die neue Altarwand hat der Künstler Raphael Seitz aus Heilbronn im Jahr 2006 entworfen. In der Kirche begegnen sich Kunstwerke aus verschiedenen Zeiten, Alt und Neu treffen sich und ergeben eine neue Einheit. In der Kunst von Raphael Seitz begegnen sich nicht nur Alt und Neu - es begegnen sich auch das Schwere und das Leichte in unserem Leben.

Das Schwere findet sich im dunklen Seitenflügen „Backofen“ wieder, der im Vergleich zur übrigen Kirche weniger Licht bekommt. Der Neue Flügel mit seinem neuen Glasfenster wirkt dagegen sehr hell. Wenn Morgens die Sonne in die Kirche scheint, ist das deutlich zu erleben. Es entsteht eine Spannung zwischen dem dunklen und dem hellen Bereich der Kirche. Und beides gehört zu unserem Leben: Dunkle Tage und fröhliche und helle Zeiten.

Das Dunkle wird auf dem Bild im „Backofen“ deutlich. Die Farbflächen sind schief, sind aus dem Lot geraten und es stellt sich eine Stele gegen die andere. Mehr hat der Künstler nicht gemalt - und trotzdem erinnert dieses einfache Motiv an das, was in unserem Leben schief läuft und aus dem Lot gerät. Es gibt Zeiten, in denen unser Leben anstrengend ist und in denen wir sagen: Alleine schaffe ich es nicht. Ich brauche Unterstützung - daran erinnert der kleine gelbe Streifen, der den großen Roten stützt und hält.

Das Glasfenster von Raphael Seitz.

Im „Neuen Flügel“ fällt das Glasfenster mit seinen hellen Farben auf. Bunt wie ein Regenbogen leuchtet es, wenn die Sonne herein scheint und erinnert an das Schöne und Hoffnungsvolle, dass es in unserem Leben gibt. Es gibt Menschen, die ich lieb gewonnen habe und die mein Leben reich machen. Das Glasstück mit der roten Farbe zeigt noch mehr: Es ist, als ob dort aus dem Regenbogen ein neues Licht entspringt. Da entsteht etwas Neues - so wie es in unserem Leben immer wieder geschieht. „Das Licht des neuen Morgens“ hat Raphael Seitz dieses Fenster genannt.

Dazu kommt in unserer Kirche der segnende Christus, der vor der Altarwand schwebt - zwischen den Spannungen: Das Schwere zieht an seinen Armen. Er nimmt es in seine Arme - aber er hält auch das Leichte. Seine Arme verbinden, was unser Leben ausmacht. Die Spannung gehört dazu - aber er füllt sie mit Leben und mit Hoffnung.

In der Kirche ist eine weitere Spannung zu finden. Dafür geht der Blick im Altarraum von unten nach oben. Wenn Sie auf die Wandscheibe sehen, dann ist sie unten in dunklen Violett - Tönen gehalten. Darin ein dunkler Fleck, der mich auch an einen Blutfleck erinnert. Und wenn die Blicke nach oben wandern, werden die Farben heller und leichter und ganz oben sehen Sie sogar eine gelbe Fläche.

Kinder haben das Bild gesehen und gefragt: „Warum ist die Sonne viereckig? Eine Sonne ist doch rund!“ Solche Fragen freuen mich, sie machen deutlich, dass dieses Bild verschiedene Blicke zuläßt und dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt.

Für mich sieht der gelbe Fleck eher wie ein Fenster aus. Über Christus wird ein Fenster aufgemacht, es kommt ein ganz anderes Licht dazu, wenn Christus den Tod und das Leiden überwindet. Da ist der Himmel nicht nur blau und leicht - im Glauben kommt etwas Neues dazu, was wir nur schwer in Worte fassen können. Und trotzdem kann uns unser Glaube viel Kraft schenken.

Dabei steht der segnende Christus im Mittelpunkt. Das leichte Seitenlicht zeigt sein Gesicht mit einem entspannten und freundlichen Gesichtsausdruck. Christus bringt so schnell Nichts aus der Ruhe, sein freundliches und gelassenes Gesicht ist für alle zu sehen und zu erleben. So steht Christus in unserer Kirche im Mittelpunkt. Er ist es, um den es hier geht.

Als der Architekt Uwe Ballhorn diese Figur zum ersten Mal sah, hat er seinen Eindruck so wieder gegeben: Ich freue mich an den ausgebreiteten Armen. Da macht jemand die Arme weit auseinander und lädt mich ein und ruft: „Komm in meine Arme!“ Es ist wie bei dem Spiel, dass Eltern mit ihren Kindern spielen: Da steht der Erwachsene mit ausgebreiteten Armen vor dem Kind und lädt ein. Komm her zu mir - Kinder laufen dann los, rennen auf sie zu und springen in ihre Arme. Voller Vertrauen. Kommt zu mir - kommt in meine Arme. Als Kinder sind wir einfach los laufen. Warum eigentlich nicht auch als Erwachsene?