Karl Kuhlo (links), Schmalenbach, BraunEiner der bekanntesten Valdorfer Pfarrer war Karl Kuhlo (1818 - 1909). Von 1851 - 1868 hat er unsere Gemeinde 17 Jahre aus dem Geist der Erweckungsbewegung heraus geprägt. Auf ihn geht der liturgische Gesang im Gottesdienst unserer Valdorfer Kirche zurück - auch wenn er sich heute nur noch auf die gesungene Eröffnung und den Segen beschränkt. Auch die Melodie des Gesangbuchliedes „Brich herein, süßer Schein" (Evangelisches Gesangbuch 572) wurde von ihm geschrieben.

In alten Berichten wird erwähnt, das er die Gemeinde in einer schwierigen Zeit übernommen habe. Pfarrer August Schmieding (Pfarrer  in Valdorf von 1838 - 1850) hatte sein Amt nach einer "unstandesgemässen" Affäre niedergelegt. Er verliess die Gemeinde und war nach Nordamerika ausgewandert. Kuhlos Aufgabe war es nun, wieder Ruhe in die Gemeinde zu bringen, was ihm wohl auch gelungen ist.

Generalsuperintendent Hans Schöttler (Magdeburg) schrieb 1918 zum 100. Geburtstag von Karl Kuhlo ein Buch („Karl Kuhlo. Schlichte Bilder aus einem stillen Leben"), in dem er seinen Lebensweg schildert. Schöttler schätzte Kuhlo außerordentlich und wollte ihm mit diesem Büchlein ein Denkmal setzen. So ist der Ton des Buches aus heutiger Sicht an manchen Stellen etwas übertrieben und schwülstig geraten. Das Buch bietet eine Reihe von Informationen, die einen interessanten Blick auf die Valdorfer Gemeinde und die Sprache des 19. Jahrhunderts geben - wir geben einige Auszüge wieder:

Ankunft in Valdorf

(Seite 52:) Wer das Ravensberger Land kennen lernen will, der darf sich nicht mit der Eisenbahn begnügen, die ihn auf der Köln - Mindener Strecke im Fluge über Minden und Bielefeld nach Gütersloh führt. Er muß auch die großen Verkehrsstrassen meiden, die ihn in dem reich bebauten Landchen von Ort zu Ort führen - jeder hat seine Geschichte, jeder sein besonderes Aussehen und seine besondere Bedeutung im wirtschaftlichen Leben des Ganzen. Aber so interessant und lehrreich das alles sein mag, - wer Land und Leuten ins Herz schauen will, der gehe vom Herzen des Landes, von Herford aus, "der Sonn entgegen", d.h. ostwärts, der Weser zu. Da heißt es buchstäblich: "Auf die Höhe!" Da schaut er weit hinaus über wogende Felder und blühende Wiesen in stille Täler und schattige Wälder. da wandert sein Blick nicht nur von Dorf zu Dorf, deren Türme sich so fest und klar am Horizont abheben, sondern auch von Hof zu Hof, die im Schmuck ihrer Eichen in die Landschaft hineingebettet liegen nach Urväter Art, wie zur Zeit ihres Herzogs Wittekind, ja, wie es schon der alten Römer Tacitus beschrieben hat: Nicht Zwang und Vorschrift, sondern nach freier Wahl, "wo iihnen etwa ein Hain, ein Tal, eine Quelle gefiel". Und je weiter er kommt, je höher er steigt, desto schöner und stiller wird es ringsum (Seite 53:) - er wandert durch den Garten Gottes, von Menschenfleiß gebaut, und gesegnet von einer höheren Hand.

Da taucht am Bergeshang ein schimmerndes Städtchen auf! Es ist Vlotho, wo man ins Wesertal hinabsteigt. Doch ehe man´s erreicht, liegt, rings von Bergen umgeben, ein freundliches Dörfchen am Wege: es ist Valdorf!

Die gleichnamige Kirchengemeinde ist aber nicht nur auf den Kirchort beschränkt, sondern erstreckt sich nach westfälischer Art über mehrere Dörfer und Bauerschaften, namens Steinbründorf, Wehrendorf, Bonneberg, Holwiesen - jedes nicht nur ein Teil vom Ganzen, sondern für sich eine mehr oder minder geschlossene Einheit bildend. Das zeigt sich schon darin, daß das Pfarrhaus nicht in Valdorf an der Kirche, sondern eine halbe Stunde davon in Wehrendorf steht. Denn dieser Teil der Gemeinde wollte auch etwas von ihrem Pastor haben! Erst sehr viel später ist das zweite Pfarrhaus bei der Kirche gebaut worden. Welch eine Erschwerung für die kirchliche Versorgung einer Gemeinde von mehr als viertausend Seelen schon hierin allein liegt, braucht nicht erst gesagt zu werden.

Die Valdorfer Kirche zur Zeit von Pfarrer Kuhlo: Das Bild wurde kurz nach seinem Abschied aus Valdorf gezeichnet und zeigt die Valdorfer Kirche im Jahre 1874 noch mit dem alten Turmaufsatz (1890 umgebaut) Doch nicht die äußeren Schwierigkeiten waren die größten, sie lagen vielmehr auf innerem Gebiet. Schon früher hatten die Quäker dort ihr Wesen getrieben und gerade in der Zeit des toten Rationalismus bei den geistlich angeregten Seelen Eingang gefunden. Unter der treuen und fürsorglichen Pflege ihres früheren Pfarrers hatten sich diese zum größten Teil wieder der Kirche angeschlossen, aber jetzt, nachdem die Gemeinde durch den unfreiwilligen Fortgang ihres Geistlichen nicht nur äußerlich verwaist, sondern auch durch andere verborgene und offenbare Schäden innerlich verstört war, wachte die nebenkirchliche Strömung wieder auf und suchte von neuem Boden zu gewinnen. Es war Gefahr im Verzuge; darum hatte (Seite 54:) die Gemeinde mit allem Nachdruck auf schleunigen Eintritt des neuen Pfarrers gedrängt.

Dieser trat am 24. April 1851 sein Pfarramt an. Zwar hatte er schon am 17. April dort den ersten Gottesdienst gehalten, aber seine Einführung fand erst acht Tage später statt. Es war ein Frühlingsfest im vollsten Sinne des Wortes: Frühling draußen und Frühling drinnen! Frühling sollte es nun auch in der Gemeinde werden, die einen schweren Winter durchgemacht! Hatte ihr früherer Pfarrer, an dem sie mit Liebe hing, durch schwere Irrung das Vertrauen der Gemeinde eingebüßt - nun galt es für den Nachfolger, beides wieder zu gewinnen, nicht nur für seine Person, sondern vor allem auch für die Sache des Herrn, dem er dienen wollte. (Anmerkung: 1844 war die Frau von Pfarrer Schmieding verstorben. Seine umstrittene Beziehung zu einer Hausangestellten war dann 1850 Anlass, die Gemeinde zu verlassen).

Predigt

(Seite 56:) Ehe er zu neuen Mitteln griff, wollte er die alten, guten bewährten zu ihrem Rechte bringen. Das fing bei ihm mit der Predigt an. Er war schon damals von der Erkenntnis durchdrungen, daß die Predigt zum Verhängnis der evangelischen Kirche wird, wenn man aus ihr eine rednerische Kunstleistung macht. Ihm ist freilich diese Erkenntnis sauer genug geworden. Er konnte noch in späteren Tagen beweglich davon erzählen und jüngere Amtsbrüder damit trösten und stärken:

Was habe ich zuerst mich damit abgequält, eine schulgerechte Predigt zu liefern - und schließlich wurde doch nichts anderes daraus, als daß ich aus drei Predigten eine vierte machte. Was ich dann so zusammengeschrieben habe, das mußte ich dann noch auswendig lernen, und wenn ich dann auf die Kanzel kam, dann hatte ich alles vergessen! Endlich wurde mir klar: So kann´s nicht weiter gehen - du mußt es anders anfangen! Von der Zeit habe ich es mir zur Gewissenspflicht gemacht: Du darfst an keinem Sonntag zu Bett gehen, ohne daß du dir nicht über den Predigttext für den nächsten Sonntag klar bist! Dann nahm ich diesen Text mit auf allen Amtswegen der Woche. Er ging mit mir in den Unterricht und an die Krankenbetten. So wurde mir das, was er zu sagen hatte, zu lebendiger (Seite 57:) Gegenwart und Wirklichkeit! Und so suchte ich ihn dann auf die Kanzel zu bringen. Ach, es war auch wohl so noch Stückwerk und ist es geblieben, aber es war doch etwas, was ich selber erlebt und erfahren hatte!" -

Singen im Gottesdienst

Bild: Ausschnitt aus dem Gottesdienstablauf, den Karl Kuhlo nach 1851 für die Valdorfer Gemeinde zusammengestellt hat: Der gesungene Text lautet: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiste - AMEN. Unsere Hilfe steht im Namen des Herren - Der Himmel und Erde gemacht hat". So beginnen wir noch heute den Gottesdienst in Valdorf.

Bild: Ausschnitt aus dem Gottesdienstablauf, den Karl Kuhlo nach 1851 für die Valdorfer Gemeinde zusammengestellt hat: Der gesungene Text lautet: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiste - AMEN. Unsere Hilfe steht im Namen des Herren - Der Himmel und Erde gemacht hat". So beginnen wir noch heute den Gottesdienst in Valdorf.Aber so wichtig ihm auch die Predigt sein mochte - sie war ihm doch nicht der ganze Gottesdienst. Er wußte es: Wenn auch die Gottesstimme im Evangelium immer den Grundton abgibt und die Stimme des Zeugen in der Predigt die Melodie bedeutet - zur vollen Harmonie dürfen die beiden anderen Stimmen nicht fehlen: die Stimme der Väter im Bekenntnis und die Stimme der Gemeinde in Bitte, gebet, Fürbitte und Danksagung, kurz in alledem, was zur „Anbetung im Geist und in der Wahrheit" führt. So verstand es sich für ihn von selbst, daß er der Liturgie eine ganz andere Bedeutung beimaß, als sie bis dahin im Bewußtsein der Gemeinde gehabt hatte. War sie vorher dem Verständnis der meisten fremd gewesen, nun wurde diese mit ebensoviel Weisheit und Milde als ausdauernder Kraft dazu erzogen, nicht nur zu verstehen, sondern es selbst mitzuschaffen, was der Psalmist die „schönen Gottesdienste" nennt.

Zuerst mussten die Kinder heran. Sie, die ja schon die Freude am Klang mit auf die Welt bringen, lernten im Konfirmandenunterricht und Kinderlehre die alten Kirchenlieder auf neue Art sagen und singen, nicht mehr so langsam und schläfrig, daß man auf eine Zeile dreimal Atem holen mu0ßte, sondern in dem frischen Zeitmaß, in dem in dem diese Melodien einstmals als Volkslieder gesungen wurden. Sie lernten den Gottesdienst in seinem ganzen Aufbau erfassen und freuten sich, wenn´s nicht nur bei dem üblichen „Kyrieleis, Amen und Hallelujah" blieb, sondern die Psalmen im Wechselgesang der Gemeinde ins Ohr und ins Herz klangen. Und was ihnen erst fremd (Seite 58:) schien, das ist ihnen schließlich unentbehrlich geworden, und ist´s geblieben bis auf den heutigen Tag! (...)

Unterwegs zu Pferd ...

(Seite 59:) in den Ravensberger Gemeinden lebte schon damals ein kräftiger Missionssinn (...). Dieser Missionssinn wurde auch in der Gemeinde Valdorf von ihrem jungen Pfarrer eifrig gepflegt und zur Tat, d.h. zur rechten Gebefreudigkeit erzogen. So kam es denn dahin, daß einer von den frommen Kolonen - so heißen im Ravensberger Land die Bauerngutsbesitzer - ein Fohlen für die Mission schenkte und zwar mit der Bestimmung: „Unser Pastor soll es zureiten!" Der hatte nicht umsonst seine Reitkünste beim Herzog von Manchester gelernt und beim Grafen Arnim geübt, war aber auch mit seinem Leichtgewicht für ein junges Pferd wie geschaffen. Er ging mit Freuden darauf ein und das Fohlen kam in den Stall des Pfarrhauses; das Futter bot der Pfarracker; die Pflege übernahm der alte getreue Heuersmann „Stoffel" - und die Seelsorge zu Pferde kam in fröhlichen Gang! Der Pfarrer brauchte sich seines Rosses nicht zu schämen, denn die Valdorfer Bauern dachten in diesem Stücke anders als einst der gräfliche Reitknecht - sie suchten ihrem Pastor nicht das schlechteste Pferd aus. Und der sorgte dafür, daß diese Wohltat - denn das (Seite 60:) war das Reiten für ihn auch in gesundheitlicher Beziehung - der Gemeinde voll und ganz zugute kam.

Leben im Wehrendorfer Pfarrhaus

(Seite 61:) was von dem Pfarrer gilt: Er soll mitten zwischen König und Bettelmann stehen! Das gilt von dem Pfarrhaus auch. Kein König braucht sich darin zu schämen, kein Bettler genieren. Doch ist diese Richtschnur nicht als starre Linie gedacht. Sie kann ein wenig mehr nach der einen oder anderen Seite gehen, kann sich auch im Laufe der zeit mehr hierhin oder dorthin entwickeln. Nur das Eine muss bleiben: Die Schönheit darf der Einfachheit nicht Eintrag tun. So sah es auch im Pfarrhaus zu Wehrendorf aus (...). (Seite 62:) Auch die häusliche Ausstattung trug denselben hand- und ehrenfesten Charakter. Der Hausrat wurde nicht von Fabriken geliefert und im Warenhaus zusammengekauft, sondern von gelernten und zünftigen Handwerkern gearbeitet.

Alles folgte der goldenen Regel, auf der damals Hauswesen und Hauswirtschaft beruhte: 1) Zweckmäßig! 2) Preiswert! 3) Schön! Und die Schönheit wurde nicht von außen her hineingetragen, sondern wuchs aus der Zweckmäßigkeit heraus. Da gab´s noch Stühle, (Seite 63:) auf denen man sitzen, Betten, in denen man schlafen, und Schränke, in denen man etwas unterbringen konnte! Was damals geliefert ist, hält heute noch, und wird noch Geschlechter tragen!

Seine Politische Sicht: Kaisertreu!

(1918 stand der Autor dieser Zeilen noch ganz hinter dem deutschen Kaiser - auch wenn der erste Weltkrieg schon vier Jahre andauerte und die Monarchie in Deutschland in einer tiefen Krise steckte - auf die Loyalität der protestantischen Pfarrer war Verlass! - Seite 60:)

Er tat nicht nur den Suchenden das Auge auf für die Wahrheit des Evangeliums, sondern er wußte auch ihr Herz zu gewinnen für die Schönheit christlichen Lebens und christlicher Sitte. Hausandacht, und Tischgebet, Kirchgang und Abendmahlsgang, heiliges Wort und frommes Lied - kurz alles, „was lieblich ist und wohltuend", es fand seine Stelle in der Gemeinde. Und zwar nicht nur bei einzelnen, sondern Haus bei Haus ging dieser gute Geist christlicher Zucht und Sitte, und das westfälische Bauerntum in den Valdorfer Bergen fand wieder den schönen aristokratischen Zug, der im Germanentum steckt von den Urvätern her, und den Luther wieder in den deutschen Christenherzen wachgerufen (Seite 61:) hat mit der herrlichen Christenlosung: „Ein Christ ist ein Herr aller Dinge durch den Glauben und niemandem untertan!"

Mochten die plebejischen Elemente (Anmerkung: Damit dürften die sozialen und demokratischen Kräfte des 19. Jahrhunderts gemeint sein) in der Nähe und Ferne spotten und schelten über den „Papst von Valdorf"" - die besten in der Gemeinde wußten, was sie an ihrem Pastor hatten, und hielten zu ihm nicht nur in christlicher Liebe, sondern auch mit westfälischer Zähigkeit und westfälischer Treue. Auch in vaterländischen Fragen sahen sie ihren Pastor als Führer an und brachten nach den demokratischen Stürmen von 1848 den alten Wahlspruch aufs neue zu Ehren:

„Alt - Ravensberg allzeit zur Hand, mit Gott, für König und Vaterland!"

Abschied von Valdorf

Es gab mehrere Versuche, Karl Kuhlo von Valdorf weg in eine andere Gemeinde zu bringen. Viele Anfragen lehnte er ab - bis 1868: In diesem Jahr bekam er einen Ruf an das Elisabethkrankenhaus in Berlin und sagte dort zu. dennoch fiel ihm der Abschied nach 17 Jahren sehr schwer.  Und so schreibt er am 18. Mai 1868 an die Kirchenleitung (Seite 83:)

Valdorf, den 18. Mai 1868: "Dem hochwürdigen Konsistorio (= Kirchenleitung) muß ich leider die Anzeige machen, daß ich einen Ruf an als geistlicher an das Elisabethkrankenhaus in Berlin angenommen habe und demnach mein Amt (Seite 84:) als Pfarrer in Valdorf niederlege. (...) Ich hoffe zu der Barmherzigkeit Gottes, der da weiß, wie schwer mir der Entschluß wird, daß Er mich darin nicht wird irre gehen lassen. (...) Dem Hochwürdigen Konsistorio allewege zu tiefstem Dank verpflichteter gehorsamster K. Kuhlo, Pfarrer"

Der Gemeindekirchenrat reichte sein Abschiedsschreiben mit diesen Worten an den Superintendenten weiter:

Valdorf, den 19. Mai 1868: "Der Pfarrer Kuhlo übergab heute dem gehorsamst unterzeichneten Presbyterio das beifolgende Schreiben an das Hochwürdige Konsistorium, in welchem derselbe anzeigte, daß er einen Ruf an das Elisabethkrankenhaus in berlin angenommen und demnach den überaus schweren Schritt der Niederlegung seines bisherigen Amtes tun müsse. Das Presbyterium, mit welchem derselbe die ganze zeit seiner Amtseinführung in dem Verhältnis des herzlichen ungetrübten Friedens (Seite 85:) standen, nahm die Anzeige mit Betrübnis entgegen und beschloß die Beförderung derselben höheren Ortes hin (= das Kündigungsschreiben Kuhlos wird hiermit an die höhere Dienststelle weitergeleitet). Es erachtet es aber auch als seine Pflicht, die nötigen Schritte zu tun, um die Bedürfnisse und Wünsche der Gemeinde in betreff eines Amtsnachfolgers ehrerbietigst vor das Hochwürdige Konsistorium zu bringen.

Das Presbyterium der Gemeinde Valdorf.
gez.: Senger (richtig wohl: Lenger), Kindervater, Schürmann, Rethemeyer, Siekmann, Sundermann, Kordes, K. Kuhlo, Bonnemeyer."

Nachtrag

"Ich bin durch die Welt gegangen"17 Jahre vorher waren sich die Presbyter noch nicht sicher, ob der zierlich wirkende Kuhlo den Valdorfer Verhältnissen wirklich gewachsen war. Und so wird folgendes berichtet: 

(Seite 89:) Als er siebzehn Jahre vorher seine Probepredigt gehalten, hatte einer der Ältesten (=der Presbyter) gemeint:

"Der wird hier nicht alt werden. Aber zwei Jahre kann er´s immerhin tun; das lohnt schon die Umzugskosten!" (...) Und mehr als dreißig Jahre später durfte er (=Kuhlo) noch einmal in seiner alten Kirche auf seiner alten Kanzel stehen. Keiner von den Ältesten, die ihn 1851 als ihren Pfarrer aufgenommen, war mehr auf dieser Welt. Sie, die starken, kräftigen Männer, waren dahingegangen - an dem zartesten und schwächsten unter ihnen war es in wunderbarer Weise zur Wahrheit geworden: "Die gepflanzt sind in dem Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen. Und wenn sie gleich alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein!"

Lebenslauf Karl Kuhlo

Pfarrer Karl Kuhlo wurde am 2. Oktober 1818 in Gütersloh geboren. Studium der Theologie in Halle (Saale) und Berlin, 1843 Examen in Münster. Danach zunächst Hauslehrer in Berlin und Bielefeld. Am 24. April 1851 als Pfarrer in Valdorf eingeführt. Zu Pferd besuchte er seine über 4000 verstreut lebenden Gemeindeglieder als Seelsorger, verhalf dem Gottesdienst nicht nur durch die Predigt, sondern auch durch eine zu neuem Leben erweckte Liturgie - etwa mit Psalmen im Wechsel der Gemeinde gesungen oder mit Kirchenliedern nach ihren alten Melodien - zu neuer Blüte, setzte sich für die Mission ein und erzog über 17 Jahre hin seine Gemeinde zu lebendigem Christentum. Unterstützt wurde er in seiner Arbeit seit seiner Heirat 1851 von Pauline Waldecker, einer Kaufmannstochter aus Bielefeld. Ab 12. Juli 1868 Pfarrer am Elisabeth - Krankenhaus in Berlin. 1892 in den Ruhestand getreten, am 16. März 1909 in Bielefeld - Bethel gestorben.