Kartoffelernte im Jahr 1939(HH/Wehrendorf) Am 30. September 2012 feiern wir mit einem Festgottesdienst das Erntedankfest.

Was verbinden die Menschen in der heutigen Zeit mit dem Erntedankfest? Nahezu alle Lebensmittel stehen uns rund ums Jahr zur Verfügung, so z.B. Tomaten, Gurken oder Paprika. Noch vor einer Generation war dies Saisongemüse, welches es nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr gab.

 

Fällt die Ernte eines Lebensmittels nicht so gut aus, ist dies bei uns in den Regalen der Supermärkte kaum zu spüren, da global eingekauft wird. Lediglich eine Preiserhöhung z.B. bei Gebäck, könnte auf eine geringere Ernte hinweisen. Jedoch wird in den Medien oft schon im Frühjahr oder Frühsommer von Mindererträgen und daraus resultierenden Preissteigerungen berichtet, obwohl die Ernte noch gar nicht eingefahren ist. So auch in diesem Jahr, nachdem in unserer Region einige Schläge des Wintergetreides sehr stark ausgewintert waren.

Für uns ist ein großes Nahrungsmittelangebot mittlerweile
selbstverständlich geworden. Dennoch kann der Mensch, trotz aller technischen Möglichkeiten den Ernteertrag zu verbessern, letztendlich das Wachsen und Werden nicht selbst bestimmen; dies liegt allein in Gottes Hand.
Zu der Frage, was wir Menschen in der heutigen Zeit mit Erntedankfest verbinden, habe ich einige Mitglieder der Kirchengemeinde befragt und folgende Antworten erhalten:

„Mit Erntedankfest verbinde ich heute wie früher zum einen, dem Schöpfer und Geber aller Gaben Danke zu sagen für alles empfangene, dass mein Leben erst möglich macht und immer wieder neu bereichert. Zum anderen bedeutet der Erntedanktag mit seinem festen Datum im Kalender für mich, und hoffentlich auch für andere Mitmenschen, eine ständige Erinnerung an das Danksagen auch im Alltag das ganze Jahr hindurch. Empfangen ist früher wie heute nicht selbstverständlich. Tun kommt von tun. Ein ehrlich gemeintes Dankeschön ist segensreich und macht glücklich. Der Blick auf einen mit Gaben der heutigen Zeit festlich geschmückten Altar macht mich nachdenklich und dankbar zugleich.“

„Mir ist es wichtig, dass ich mir den Wert, den die Nahrung hat, wieder bewusst mache. Wie viele Lebensmittel werden einfach nur weggeworfen, weil zu viel hergestellt oder eingekauft wurde. Ich denke, dass das reiche Angebot zum Kauf verführt, obwohl man die Dinge gar nicht benötigt. Folglich führt ein zu großes Angebot zu mehr „Wegwurf“.
Aber auch die Arbeit, die es gekostet hat diese Lebensmittel herzustellen, muss man sich einmal bewusst manchen. Wenn diese dann weggeworfen werden, ist dies keine Wertschätzung der für die Herstellung notwendigen Arbeit.“

Nahrungsmittel sind für uns alle lebenswichtig, also „Lebensmittel“, die wir von Gott geschenkt bekommen. Dieses sollte uns zum Erntedankfest wieder jedes Jahr neu bewusst werden.

Viele Mitmenschen unserer Zeit haben nichts mehr mit der Landwirtschaft zu tun und somit wenig Kenntnis über die Arbeitsabläufe auf den Wiesen und Feldern oder Wachstumszeiträume der Pflanzen. Dann werden gelegentlich Fragen gestellt, die den ein oder anderen Landwirt zum Schmunzeln veranlassen: Wieso werden die Kartoffel im Frühjahr erst in die Erde gesteckt? Warum verkauft man sie nicht gleich???
Einige Leser werden sich sicher noch gut daran erinnern können, dass sie, auch als Nichtlandwirte, auf den Höfen mitgeholfen haben, so z.B. beim Runkel- oder Kartoffelhacken, dem Steckrübenpflanzen oder der Kartoffelernte. Zu der Zeit gab es noch viele kleinere Betriebe, die von allem etwas bewirtschaftet haben. Heute liegt der Erfolg der Höfe eher in der Spezialisierung. Zu dem Thema und der Verbindung zu Erntedankfest habe ich eine hauptberufliche Landwirtin befragt:

„Der technische Fortschritt macht es mir als Frau möglich, unseren Milchviehbetrieb zu führen. Die Investitionen der letzten Jahre sind in die Arbeitsproduktivität geflossen, zur Vereinfachung, Beschleunigung und Verbesserung.
Die knappe Zeit führt dazu, dass z.B. die Gartenwirtschaft mit Vorratshaltung oder Hühnerhaltung ganz zurückgestellt werden. Aufwendige Erntearbeiten die mit größeren Investitionen verbunden sind, werden an Lohnunternehmer abgegeben. Auf dem Hof wird sich nur noch auf einen Betriebszweig konzentriert und so versucht, daraus das Optimum zu ziehen. So hat sich die Landwirtschaft immer weiter spezialisiert und auf stetig weniger Betriebe verteilt.
Bei allem technischen und wirtschaftlichen Wissensfortschritt wird mir aber immer wieder bewusst, und gerade zu Erntedank, dass der Ertrag mit viel Arbeit, Fleiß und Ideen nicht garantiert oder unbedingt auskömmlich ist. Die Gaben, die uns - tagtäglich, jahrjährlich – zum Erfolg bringen, sind einfach die, auf die ich keinen Einfluss habe und die mir beim Erntedank sehr viel mehr bewusst werden, wie Gesundheit, Familienzusammenhalt, Wetter.
Denn ich danke doch gern, wenn ich beim Geber keinen Anspruch auf Dank spüre und vor allem, wenn ich weiß, dass er das Gegebene gar nicht hätte geben müssen.“

Vielen Dank für die geleisteten Beiträge zu diesem Thema und ein gesegnetes Erntedankfest allen Leserinnen und Lesern sagt Heike Hempelmann.