Was haben die Friedenskirche in Stralsund, die Pankratiuskirche in Gießen, die Auferstehungskirche in Pforzheim und die Kreuzkirche in Wehrendorf gemeinsam? Eine ganze Menge, denn allesamt entwarf und baute sie Otto Bartning als Notkirchen. Ihre „Erstaufstellung" erlebte die heutige Kreuzkirche Wehrendorf 1950 in Bad Oeynhausen.

1969 wird die Kirche durch Pfr. Wagner nach Wehrendorf geholt und am ersten Advent des Jahres durch Präses D. Hans Thimme eingeweiht. Für uns Wehrendorfer ist die Kirche sehr wertvoll. Sie ist zweckgebunden und einfach, aber dennoch ihrer Funktion angemessen. So war auch das Konzept für die Notkirchen, die bereits während des Krieges geplant wurden und dann nach Kriegsende vom Baumeister Otto Bartning realisiert wurden. Blicken wir zurück in die Nachkriegszeit:

Damals fehlt es an allem, an Baumaterial ebenso wie an Kirchen. „So musste Stein hier unverputzter Stein, Holz gewachsenes Holz und Stahl unverkleideter Stahl sein", sagt Otto Bartning treffend in seiner Ansprache bei der Einweihung der ersten seiner 43 Notkirchen (die übrigens auch in der ehemaligen DDR aufgestellt wurden).

Die Kombination von Auslands- und Selbsthilfe ist ein wichtiges Merkmal bei der Verwirklichung des Werkes von Otto Bartning. Für jeden genehmigten Notkirchen-Bau gibt es eine Materialspende (statisches Gerüst aus seriell gefertigten, genormten Bauteilen, Fenstern und Türen) sowie einer Spende in Höhe von 10 000 Dollar aus dem Ausland. Wer diese Spenden erhalten will, der muss aber gewisse Bedingungen erfüllen, einen Bauplatz nachweisen und muss für das Fundament sorgen.

Ist dies alles geschehen, werden die Holzteile geliefert und innerhalb von ein bis drei Wochen montiert. Wenn in Eigenarbeit auch noch das Außenmauerwerk (meistens aus den örtlichen Trümmersteinen oder anderem vorhandenem Material gefertigt) entstand, steht der Einweihung einer Notkirche nichts mehr im Weg. Das dauert im Schnitt ein Jahr, was äußerst schnell ist, bedenkt man doch, dass früher mehrere hundert Jahre an manchen Kirchen gebaut wurde, ohne dass diese jemals in ihrer geplanten Fassung fertig wurden.

Da kurz nach dem Krieg die Kirche Bad Oeynhausens abgebrannt ist, wird auch hier eine Notkirche gebaut und vom westfälische Alt-Präses D. Koch, der vor dem Kriege in Bad Oeynhausen Pfarrer gewesen war, am 3. September 1950 eingeweiht. Die Grundsteinlegung war erst Anfang März desselben Jahres erfolgt.

Als die neue Kirche in der Badestadt entsteht, wird die Notkirche noch einmal ihrem Namen gerecht, sie hilft dort wo Not herrscht. Wehrendorf braucht eine Kirche, und die kommt 1969. Die Kreuzkirche wird somit die letzte Notkirche, die in einer Gemeinde aufgebaut wird. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre in der Kreuzkirche und so wächst sie den Wehrendorfern immer mehr ans Herz.

Diese Kirche hat sehr viele Vorteile. Sie bietet einen großen, hellen Altarraum, in dem bei Konzerten bis zu 200 Musiker Platz finden. Auch für die Musiker und Chöre auf der Empore ist viel Platz und der Innenraum bietet Bänke für ungefähr 200 Personen. Nach hinten können noch Stühle dazugestellt werden und mit der Empore zusammen gibt es dann 450 Sitzplätze in dem Gebäude. Von überall aus haben die Gottesdienstbesucher Augenkontakt zum Pfarrer. Die Kirche ist halt gut durchdacht!

Bei der Neuerrichtung in Wehrendorf hat die Kirche neues Inventar bekommen. Altar und der Taufstein mit dem eigenwillig gestalteten Bronzedeckel der Taufschale wurden von dem Bad Oeynhauser Künstler Theodor Henke gefertigt. Die Taube aus Bronze auf dem Deckel wird auch zum Emblem der Kirchengemeinde und ist Bestandteil des Siegels.

Derselbe Künstler steuerte auch einige Jahre später das ebenso ungewöhnliche, große Holzkreuz mit den geschnitzten Gesichtern bei, das seitdem an der Altarwand hängt und den Raum deutlich mitprägt.

Auch der Glockenturm ist nicht das Original aus der Bad Oeynhauser Zeit. Er wurde 1969 separat errichtet und trägt die 4 Glocken, welche eigens für Wehrendorf gegossen wurden. Die Orgel stammt von dem deutschlandweit bekannten Orgelbauer Steinmann, welcher in Wehrendorf bis heute ansässig ist. Allein im Kirchenkreis Vlotho haben weit mehr als die Hälfte aller Kirchen eine Steinmann-Orgel.