Jörn Klare las in Vlotho aus seinem preisgekrönten Buch

Der Autor und Journalist Jörn Klare las in Vlotho aus seinem Buch „Nach Hause gehen“.
Der Autor und Journalist Jörn Klare las in Vlotho aus seinem Buch „Nach Hause gehen“.
Der Autor und Journalist Jörn Klare las in Vlotho aus seinem Buch „Nach Hause gehen“.
RL/Vlotho. Der Berliner Autor und Journalist Jörn Klare ist 600 Kilometer zu Fuß von Berlin nach Hohenlimburg gegangen, von seinem jetzigen Wohnort in die Stadt im Sauerland, in der er geboren und aufgewachsen ist. Darüber hat er ein Buch geschrieben, das in diesem Jahr den Evangelischen Buchpreis gewonnen hat. Als er losging und zu seiner Frau sagte, er ginge jetzt in seine Heimat, habe sie gemeint: „Dann müsstest Du ja eigentlich von Hohenlimburg hierher nach Berlin gehen.“ Wo ist Heimat? Da, wo man wohnt, oder dort, wo man geboren ist? Oder etwa da, wo man begraben sein will? Berührende Fragen warf der Autor an diesem Abend in der Vlothoer St. Johanniskirche auf.

Inge Wienecke von der reformierten Gemeinde hatte den Autor zusammen mit Pfarrer Hartmut Birkelbach vom Kulturreferat „KuK!“ des Kirchenkreises Vlotho eingeladen, aus seinem Buch zu lesen. „Das Aroma der sauerländischen Wälder“, „der Geruch des Lenne-Flusses“, all dies habe, las Klare aus seinem Buch, bei ihm verschüttete Erinnerungen plötzlich wachgerufen, als er sich nach über einem Monat zu Fuß seiner Geburtsstadt näherte. Viele leben nicht dort, wo sie groß geworden sind und kennen die Frage nach Heimat, auf die es nur schwer eine Antwort gibt. Die moderne Gesellschaft fordert Mobilität und kennt kaum eine Konstante im Sinne eines örtlichen Bezuges, den man Heimat nennen könnte.

Unterwegs begegnete Jörn Klare vielen Landschaften und Menschen, vielen Wegen und auch Versuchen, an einem bestimmten Ort glücklich zu sein. „Der Mensch ist ein territoriales Wesen.“ Es müsse ein Gebiet geben, das „seins“ sei, schreibt Klare. Deshalb gebe es auch all die Heimatvereine im ganzen Land. In vielen Orten sah er aber auch Verfall, „amazonisierte Fußgängerzonen“, „Heimat, die verödet“. Bewegend sein Abschnitt über das ehemalige Außenlager vom KZ Buchenwald in Halberstadt, in dem tausende Zwangsarbeiter während des Dritten Reiches den Tod fanden. Der Autor fand dort das Grab eines Franzosen, der an diesem Ort des ehemaligen Grauens auf eigenen Wunsch 2013 beerdigt wurde, obwohl seine „Heimat“ doch in Frankreich war und er nach den Jahren des Schreckens befreit nach Frankreich hatte zurückkehren können.

Im Anschluss an die Lesung war noch Möglichkeit zum Gespräch bei einem Glas Wein über eigene Heimatgefühle. Fast alle blieben und nahmen die Gelegenheit gerne wahr.