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Der Valdorfer Engel in der Werkstatt von Petra Rentrup
Der Valdorfer Engel in der Werkstatt von Petra Rentrup
Der Valdorfer Engel in der Werkstatt von Petra Rentrup
Besuch in der Holzschnitzwerkstatt von Petra Rentrup

(CB/Valdorf) Engel sind für die meisten von uns besondere Gestalten: Wanderer zwischen Himmel und Erde, manchmal auch Lichtgestalten oder Boten Gottes.

Für einige von uns sind sie einfach Wesen mit guten Kräften. Woher kommen Engel? Vom Himmel, aus dem Bereich Gottes? Treten sie in guten Menschen in unserer Nähe einfach zu uns?

In diesem Jahr ergänzen wir die Valdorfer Weihnachtskrippe um eine Engelsfigur – und geben diesen besonderen Wesen einen Platz in unserer Kirche.

Auch dieser Krippenengel hat in seinem Wesen etwas Geheimnisvolles – aber wir wissen genau wo er herkommt: Er wurde im Oktober in der Werkstatt von Petra Rentrup, in der Nähe von Rheda-Wiedenbrück, geschnitzt. Bei einem Besuch konnte ich ihr bei den ersten Handgriffen zu sehen.

Inschrift auf dem Hof Rentrup
Inschrift auf dem Hof Rentrup
Inschrift auf dem Hof Rentrup
Die Werkstatt von Petra Rentrup liegt auf einem alten Bauernhof mit einer wechselhaften Geschichte. Seit Jahrhunderten ist er mit dem Namen Rentrup verbunden, wie auf dem Torgiebel von 1716 zu lesen ist. Auf dem Hof und den benachbarten Feldern betreibt die Familie Rentrup noch heute Landwirtschaft. Fährt man auf den Hof, dann zeigen geschnitzte Holzfiguren und Holzschilder, dass es auf dem Hof noch mehr zu entdecken gibt. In einer Scheune hat sich Petra Rentrup unter dem Dach eine Werkstatt eingerichtet, in der sie etwas zurückgezogen an ihren Holzfiguren arbeitet. Steigt man die Holztreppe hoch, dann tritt man hinter der Holztür in eine ganz eigene Welt ein. Direkt an einem Fenster liegt ihr heller Arbeitsplatz: Eine kleine Hobelbank, auf der die vielen Schnitzmessern abgelegt sind.

Petra Rentrup arbeitet an dem Valdorfer Engel
Petra Rentrup arbeitet an dem Valdorfer Engel
Petra Rentrup arbeitet an dem Valdorfer Engel
Der Engel ist bei meinem Besuch grob zu erkennen. Petra Rentrup zeigt, wie der Engel bei ihr entsteht. Für jede Figur ihrer Krippe gibt es eine Vorlage. Nach dieser Musterfigur arbeitet sie mit einer Maschine aus dem Eichenklotz die grobe Figur heraus. Diese Figur wird dann in die Hobelbank eingespannt – und dann beginnt die eigentliche Arbeit der Holzbildhauermeisterin: Mit immer feineren Schnitzmessern gibt sie der Figur ihr Aussehen. Mit geübten Griffen nimmt sie die Schnitzmesser und einen Hammer in die Hand und schnitzt die Einzelheiten: Die Hände und das lange Gewand des Engels treten aus dem Holz hervor.

Wir sprechen über die Aufgabe der Engel: Eigentlich hat ein Engel an Weihnachten doch eine schöne Aufgabe. Er darf die frohe Botschaft von Gottes Liebe zu allen Menschen weitersagen – also gehört bei diesem Engel ein fröhliches Gesicht dazu. So ein Gesicht gibt es aber nicht aus der Maschine – da ist Handarbeit und Erfahrung gefragt. Augen und Mund werden mit einem feinen Messer und geübten Handgriffen gearbeitet.

Der Valdorfer Engel als Rohling: Die "Krone" auf seinem Kopf ist nötig, damit er in der Werkbank fest eingespannt werden kann.
Der Valdorfer Engel als Rohling: Die "Krone" auf seinem Kopf ist nötig, damit er in der Werkbank fest eingespannt werden kann.
Der Valdorfer Engel als Rohling: Die "Krone" auf seinem Kopf ist nötig, damit er in der Werkbank fest eingespannt werden kann.
Die Krippenfiguren entstehen nach eigenen Entwürfen. Unserer Gemeinde hatte vor zwei Jahren der schlichte und gefällige Stil der Figuren gefallen. Die Figuren werden in verschiedenen Hölzern gefertigt – von weichem Lindenholz bis hin zum harten Eichenholz. Die Oberflächen sind naturbelassen oder farblich lasiert. Die Valdforfer Figuren sind aus Eichenholz geschnitzt und mit einer Farblasur überzogen.

Neben der Hobelbank liegen weitere Figuren, an denen Petra Rentrup arbeitet. Sie ergänzt nach Vorlagen fehlende Teile zu Krippen und schnitzt auf Wunsch auch Palmen oder fehlende Schafe dazu.

Im hinteren Bereich der Werkstatt sind Krippen, Figuren und andere Arbeiten zu sehen.
Im hinteren Bereich der Werkstatt sind Krippen, Figuren und andere Arbeiten zu sehen.
Im hinteren Bereich der Werkstatt sind Krippen, Figuren und andere Arbeiten zu sehen.
In einem kleinen Ausstellungsraum stehen in den Schränken weitere Krippen und Holzarbeiten.

Als Holzbildhauermeisterin kann Petra Rentrup natürlich nicht nur Krippen schnitzen. Kleine Skulpturen und Personen lassen erahnen, was mit dem Schnitzmesser noch möglich ist. Ein weiteres Arbeitsgebiet ist die Restaurierung von alten, oft verwitterten oder beschädigten Holzschnitzereien. Wenn an alten Häusergiebeln Holzfiguren verrottet oder zerstört sind, schnitzt sie nach den vorliegenden Resten genaue Kopien. Schriftzüge an Türbögen können mit dem Schnitzmesser nachgearbeitet werden und sind dann auch wieder lesbar. Und wenn an Möbeln Holzornamente fehlen, weiß sie, wie sie ersetzt werden können.

"Gisela" würde sich prima vor einem Freibad machen ...
"Gisela" würde sich prima vor einem Freibad machen ...
"Gisela" würde sich prima vor einem Freibad machen ...
Neben diesen Arbeiten, für die es viel Feingefühl braucht, wagt sich Petra Rentrup auch an große Figuren. Mit einer Kettensäge bearbeitet sie kräftige Baumstämme und findet in ihnen Gestalten und Personen.

In der Scheune stehen ein Liebespaar und: „Gisela“! Die Frau mit Sonnenbrille und Badekleidung fällt zwischen den schlichten und ernsten Gestalten aus dem Rahmen. Im Sommer hatte Petra Rentrup einfach mal Lust, etwas anderes als Krippenfiguren zu gestalten. So entstand diese sonnige Frau, die nun an der Eingangstür steht und bei den Besucherinnen und Besuchern sommerliche Stimmung und Fröhlichkeit verbreitet. Eigentlich sollte die frohe Botschaft, die wir in den Weihnachtstagen hören, doch genau solch eine Fröhlichkeit und Zuversicht ausstrahlen – und ich hoffe, dass etwas von Giselas Sonnenschein auf unseren Valdorfer Krippenengel übergesprungen ist.

In der Adventszeit und an den Weihnachtstagen wird uns dieser Engel in der Valdorfer Kirche begleiten. Schauen Sie doch einfach mal vorbei!

Weitere Informationen zu Petra Rentrup finden Sie unter www.rentrup.de.